Rezension – Auferstehung – Anderswelt

13 Sep Rezension – Auferstehung – Anderswelt

Gut Ding will Weile haben, in diesem Fall vier Jahre. Doch das Warten auf die neue Werke von JANUS hat sich gelohnt. Ich kann nur sagen: Anstrengend, wie relevante Musikstücke eben sein sollen.

Der Eindruck nach dem ersten Hören ist Konfusion, soweit sich ein solches Album überhaupt in einem Stück ertragen lässt. Die Texte einzelner Strophen hinterlassen so manchen Kloss im Hals. Die Erwartung, sie insgesamt zu verstehen, macht mir Angst. Im Vergleich zu den Vorgängern „Vater“ und „Schlafende Hunde“ sind jedoch mehr ruhige Stücke auf dem Album und feinfühligen Streicherpassagen aus „Winterreise“ haben Einzug gehalten.

Nach und nach wird „Auferstehung“ sich mir in den folgenden Tagen erschließen, und für Jahre werde ich mich daran erfreuen. Meine noch jungfräulichen Ohren werden lernen, den neuen Klänge zu folgen, sich an versteckte Harmonien schmiegen und auf Spannungsbögen reiten, bis sich einstürzende Gitarrenwände unter RIGs Schreien in Wogen der Ganzkörpergänsehaut entladen.

Nur wenige Musiker verstehen sich in Deutsch, dieser schwierige Sprache, derart meisterlich auszudrücken. Kein oberflächlicher Reim, jede Zeile ein tragender Teil des abstrakten und doch greifbaren Bildes. Es gibt sie noch, die Dichter und Denker in diesem Lande.

Was mich bei dem Album und Hörbuch „Kleine Ängste“ erwartet, ist kaum abzuschätzen. Die Geschichte basiert auf dem Rollenspiel Little Fears und ist eine Mischung aus Alptraum und Kinderbuch. Gelesen wird das Hörbuch von dem professionellen Sprecher Reinhard Schulat, den wir von Hörspielkassetten unserer Kindheit kennen.

Wer sich nun fragt, warum ich mir derart schwer verdauliche und von negativen Emotionen erfüllte Kost antue, der sei auf all die Horror-, Action- und Kriegsfilme, sowie klassische Dramen in Literatur und Theater hingewiesen. Ausserdem ist JANUS vergleichsweise leicht zugäglich, schon wegen der deutschen Texte. Für Skinny Puppys Akoasmen-Horrortrip „Too Dark Park“ habe ich fast ein Jahr gebraucht. Diese Platte schmerzt wirklich.

Schade nur, dass JANUS es nicht schaffen, auch nur ein hitparadentaugliches Lied zu schreiben. Zu lange sind ihre Stücke, zu sperrig die Arrangements und zu bedrückend die Themen, als dass sie sich dem weichgespülten Konsumentenohr erschliessen. So werden JANUS wohl ein Geheimtipp bleiben, aber vielleicht ist das auch gut so.

Rainer Langlitz

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