Rezension – Vater – Anon

13 Sep Rezension – Vater – Anon

Dem aufmerksamen ANON-Leser wird der Name JANUS mittlerweile ein Begriff sein, haben wir doch die ambitionierteste und hoffnungsvollste Band aus deutschen Landen in der letzten Ausgabe ausführlich gefeatured. Tja, und was soll ich sagen? Der Labelname könnte in diesem Fall nicht passender sein.

JANUS haben ihre selbstproduzierte Demo-CD (welche schon 90% aller professionellen Releases in den Schatten gestellt hat) gründlich überarbeitet, drei Tracks der ursprünglichen Version mussten vier neuen Stücken weichen.

Zu diesen neuen Stücken gehört auch Isaak, das schon auf dem zweiten Wellenreiter in Schwarz-Sampler zu hören war. Allein dieses Stück rechtfertigt den Kauf schon: eine mitreißende Up-Tempo-Nummer mit packendem Refrain, die dem Hörer sofort ins Ohr geht.

Sehr gelungen auch Schwarzer Witwer und Exodus; einzig und allein mit dem vierten neuen Track, Lolita, kann ich mich nicht so recht anfreunden – aber aufgepasst, das begnadete Knochenhaus schließt sich Lolita als Hidden Track an!

Dann geht es weiter mit den Liedern, die schon auf dem Demo zu begeistern wussten: z.B. mit dem tieftraurigen Saitenspiel, eine Klage Gustav Mahlers über sein totes Kind.  Für mich ist Saitenspiel mit seinen dunklen Bläsern schon jetzt der Titel des Jahres. Hierbei kommt besonders der gefühlvolle Gesang Rigs zur Geltung; mir fällt eigentlich außer Douglas P. und David Tibet niemand ein, der seiner Stimme eine solche Tiefe zu verleihen vermag. Naja, Blixa Bargeld vielleicht noch, aber sonst keiner.

Es schließen sich das beklemmende Der Flüsterer im Dunkeln sowie Dreizehn Bestien an, die nicht weniger genial sind.

JANUS ist eine Ausnahmeband. Jedem Stück hört man die Liebe und Mühen an, die in die Produktion gesteckt wurden, und auch nach dem hundertsten Durchgang fällt einem das eine oder andere bisher nicht wahrgenommene Detail auf.

Mit genau demselben Aufwand, mit dem JANUS die Musik gestaltet haben, sind sie auch an das Artwork herangegangen. Jedes Lied wurde graphisch dem Text entsprechend umgesetzt, so dass die CD auch optisch eine Augenweide ist.

Genug der lobenden Worte. Unter viel zu vielen Rezensionen stehen Sätze wie absoluter Plichtkauf u.ä., und meistens erweisen sich solche Bewertungen als Schnellschüsse. Vater hingegen als Plichtkauf zu bezeichnen, wäre glatt untertrieben. Ich persönlich sehe Vater als Meilenstein der First and Last and Always-Liga an, dieses Album wird in die Musikgeschichte eingehen.

Holger Meyer

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