Rezension – Schlafende Hunde – Arkham Chronicle

13 Sep Rezension – Schlafende Hunde – Arkham Chronicle

Das JANUS-Debüt „Vater“ vor zwei Jahren war in Teilen noch schwer Lovecraft-inspiriert („Der Flüsterer im Dunkeln“) – das neue Album „Schlafende Hunde“ hat eine andere Basis, doch auch diese hängt eng mit einem für den Mann aus Providence typischen Thema zusammen – Wahnsinn.

„Schlafende Hunde“ erzählt die Geschichte einer seltsamen Dreierbeziehung. Da sind Mr. Drown, sein namenloser Bruder und die Prostituierte Veronica. Mr. Drown nimmt die käufliche „Liebe“ Veronicas ein ganzes Stück zu ernst, und dann erfährt er noch von der Beziehung seines Bruders zu ihr. Eine Spirale aus Leidenschaft, Gewalt, Angst, Wahnsinn und Tod dreht sich und lässt keinen der drei ungeschoren…

JANUS vermittelt uns diese Ereignisse interessanterweise nicht in chronologischer Weise – das Album bzw. die zwölf einzelnen Titel sind in drei Kapitel eingeteilt. Das erste, „Der Wald der Selbstmörder“, ist vom zeitlichen Ablauf her gesehen das Ende der Ereignisse um die drei Protagonisten, und verdeutlicht noch einmal („Rorschach“) den Wahnsinn, der in Mr. Drowns Kopf tobt, bis er im vierten Track („Unter dem Eis“) Veronica dorthin folgt, wo er sie versenkt hat…

Erst der zweite und dritte Teil erklären uns, wie alles begann und sich so sehr steigern konnte. Die Erzählsicht ist dabei überwiegend die von Mr. Drown, wobei dem 10. Track, „Veronica“ in zweifacher Weise Bedeutung zukommt. Zum einen ist er das einzig rein akustische Stück, zum anderen erfahren wir hier Veronicas Sicht der Dinge mit ihren eigenen Worten.

Was JANUS uns hier liefert ist das absolute Gegenteil von „easy listening“ – komplexe Story, lyrisch entlarvend präzise und wortgewaltig erzählt, in soundtechnisch wenigstens ungewöhnliche, manchmal sogar experimentelle synthetische Klänge gehüllt. RIGs Gesang ist je nach Anforderung immer passend, leidenschaftslos oder kraftvoll, den ganzen Irrsinn in seinem Kopf hinausschreiend („Verflucht“).

„Schlafende Hunde“ hört man keinesfalls nebenbei, sondern im abgedunkelten Zimmer bei voller Aufmerksamkeit der Sinne. Vielleicht noch mit gerade soviel Licht, das man in dem hervorragenden Booklet blättern kann, welches wunderbares Artwork vom Graphiker Oliver Schlemmer enthält und uns Mr. Drown und Veronica auch bildlich nahebringt.

Kostproben zu dem Album gibt es auf der gleichnamigen Homepage, unter anderem den kompletten Track „Verflucht“ als MP3 zum downloaden – was ich nur jedem nahelegen kann! Auch sonst enthält die Website eine ganze Reihe von Informationen zum Album, erzählt die Story noch einmal ausführlich und bietet weiteres Artwork von Oliver Schlemmer feil.

Wer sich auf eine komplexe, mit kreativen musikalischen Mitteln brillant erzählte Geschichte einlassen kann und möchte, dem sei „Schlafende Hunde“ ans Herz gelegt – ich wage sogar, sie besonders Ligotti-Kennern ans Herz zu legen, da ich die CD und Ligottis Erzählungen für vergleichbar anspruchsvoll halte.

Alle anderen hören lieber Britney Spears und gehen auf Blümchens Abschieds-Tournee, statt JANUS live als Vor-Act zu L’Ame Immortelle zu erleben (ab Februar 2001)… Leute – KAUFEN!

Ingo Ahrens

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