Rezension – Vater – Bodystyler

13 Sep Rezension – Vater – Bodystyler

Exorbitant in allen Belangen ist die Umschreibung für diese CD, die mir in allen möglichen Bewusstseinslagen spontan einfallen würde.

Schon beim ersten Hören ihres Beitrages Isaak zum neuen Wellenreiter-Sampler war mein Interesse an dieser Band auf das Heftigste geweckt. Bombastische Musik auf der Grundlage von sinfonischer, melodischer und treibender Elektronik, sägender, aber harmonischer Gitarrenarbeit, einer klingenden Violine und des pathetischen Gesanges bringen dieses biblisch inspirierte Thema dermaßen eindrucksvoll zur Geltung, dass einem beim Hören heiß und kalt wird.

Die gesamte CD vereint die besten Elemente heutiger EBM-, Industrial-, Metal-, Wave-, Pop- und Crossover-Musik, um in einer düsteren textlichen Ausrichtung zu gipfeln, die sich zwischen expressionistischer Realbeschreibung, kafkaesker Psychose und bestem schwarzen Humor einpendelt.

Neben den lyrischen und musikalischen Höchstleistungen beeindrucken zudem die Stimmgewalt des Sängers, die bezaubernde Ausstrahlung der (Background-) Sängerin und die aufwendige, kunstvolle Bookletgestaltung mit allen (durchweg deutschen) Texten.

Mag es die nachempfundene Qual in Schwarzer Witwer, die illegal erotische Lust und Pein-Situation in Lolita, die eruptive Brachialgewalt bei Exodus, die ausufernde Tragik in Saitenspiel (mein Lieblingsstück neben Isaak), der verzweifelte Verlustgedanke in Der Flüsterer im Dunkeln und das soundtrackartige Dreizehn Bestien sein, dieses Album verfolgt einen mit seiner beängstigenden Extremität und Genialität.

Als Bonus gibt es dann noch das makaber-ruhige (nicht aufgelistete) Knochenhaus und meine CD des Jahres ist gekürt.

Ich hoffe, dass die Band aufgrund der lobhudeligen Presse keine Höhenflüge bekommt und weiterhin unbeirrt ihren Weg geht. Ich muss mich jedenfalls bremsen, um mich nicht weiter in Superlativen zu ergehen, also höre ich jetzt einfach auf.

Tadeusz

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