Der alte Esel

16 Aug Der alte Esel

„Der alte Esel rechnet zwei mal vier
Sein Huf malt langsam eine Acht
doch es ist leider niemand hier
der erstaunt darüber lacht.“

RIG erzählt:

Mein momentanes  Lieblingslied auf „Ein schwacher Trost“, wobei dieser Titel nahezu täglich neu vergeben wird, was ein sehr gutes Zeichen ist. Das Lied sticht in zweierlei Hinsicht heraus. Zum einen ist es durchgehend sehr hoch und zerbrechlich intoniert, was für JANUS eher untypisch ist. Zum anderen ist es das berühmte letzte Lied, das es bei jeder JANUS Produktion gibt. Auf „Schlafende Hunde“ war es „Verflucht“, auf „Auferstehung“ „Neunundachtzig“. Diese Lieder entstanden, nachdem die Produktion offiziell bereits für beendet erklärt wurde. So auch „Der alte Esel“. Ich hatte das Gefühl, dass noch etwas auf dem Album fehlte. Ein Lied, das heraussticht und noch trauriger ist, als die anderen ohnehin schon traurigen Lieder. Beim Schreiben des Textes über einen altersmüden Zirkusesel musste ich oft an ein früheres Lieblingslied von mir denken, „When the crowds are gone“ von Savatage, ebenso wie an „Factory Girls“ von den Tindersticks. Jedes Mal wenn ich den alten Esel daheim probegehört habe, meldete sich bei einer gewissen Stelle am Ende des Stückes meine Kleine zu Wort und verkündete: „Das ist jetzt aber echt zu traurig!“. Da wusste ich, es passt. Toby spielt hier übrigens einen, meiner Meinung nach besonders fantastischen Instrumentalteil in der Mitte des Liedes, der quasi das Herzstück der Komposition darstellt und der beispielhaft belegt, wie viel reifer und intensiver Tobys Klavierspiel mit den Jahren geworden ist. Krasser Typ!

Toby erzählt:

Wir waren ja eigentlich schon fertig. Aber RIG ist immer für eine Überraschung gut. Deshalb hat es mich auch nicht besonders gewundert, als er plötzlich mit einem weiteren Text vor der Tür stand. Die Entstehung des Liedes am Klavier erfolgte auf eine ähnlich traumwandlerische Art, wie bei den meisten anderen Liedern, die wir zuvor für „Ein schwacher Trost“ komponiert hatten. Am Anfang müssen wir immer etwas suchen, aber wenn die Hunde die Fährte in der Nase haben… So haben wir dann auch den alten Esel zur Strecke gebracht. Und was wir da getan hatten, wurde uns eigentlich erst im Nachhinein klar, nachdem wir uns in Ruhe den ersten Mitschnitt (per Telefon) noch einmal angehört haben. Je trauriger, düsterer das Stück das wir gerade machen ist, desto besser wird unsere Stimmung. Wir waren also bester Laune und begannen zu erkennen, dass wir wohl eines der traurigsten JANUS-Stücke aller Zeiten geschrieben hatten. Am Vorabend der Studioaufnahmen hatte ich noch einen prekären Punkt Auf meiner To-Do-Liste: die Ausarbeitung des Instrumentalteils in der Mitte des Stückes. Leider hatte ich nicht mehr als eine vage Ahnung, wie der Teil klingen könnte. Erst als der Papierkorb voll zerknülltem Papier und die Rotweinflasche halb leer war, fiel mir die Melodie ein, die jetzt auf Band gelandet ist und die mir selbst ein ums andere Mal die Äuglein feucht werden lässt.

Fotos: Oliver Haas

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