Live Review – Frankfurt 2002 – Winterreise

23 Mrz Live Review – Frankfurt 2002 – Winterreise

Beinahe wäre auch dieser Abend den unmöglichen Witterungsverhältnissen zum Opfer gefallen, wie schon für mich die tags zuvor angesetzte CD Release Party von ADORNED BROOD. Gottlob aber konnten selbst Hagelgewitter meine Frau und mich davon abhalten, uns zum Ikonenmuseum durchzufragen, um dem bisherigen Highlight der noch jungen Konzertsaison beizuwohnen.

In der ungewöhnlichen Location, inmitten der ausgestellten Ikonen, strahlte einiges von der sakralen Ergriffenheit auf den ungewöhnlichen Auftritt dieser beiden ungewöhnlichen Formationen aus: selbst das abgeschlagene Haupt Johannes des Täufers verfolgte fasziniert das Geschehen. Auf einer spartanischen Bühnenkonstruktion, vor handverlesenem sitzendem Publikum, eröffneten PERSEPHO-NE das intensive Hör- und Fühlerlebnis. […]

JANUS hatten sich, neben angemessener Gewandung, angemessen verstärkt: Tobys Flügel fand Unterstützung in Viola, Violine, Cello, Kontrabass und Perkussion, so dass RIGs Stimme, wie alle anderen Instrumente auch ohne jegliche Verstärkung, eine reichblühende Spielwiese im Rücken wusste.

Das Set geriet zu einer Art Ratespiel, da viele Coverversionen und neue Songs gespielt wurde, die es evtl. auf die wahrscheinlich im nächsten Februar erscheinende nächste JANUS-CD schaffen könnten. Bereits nach dem Vater Track Lolita eröffnete Du Siehst Aus Wie Immer diesen Reigen, und nach Der Tag An Dem Ich Kafka Traf vom Vater Demo erzählte Nellie ihr Schicksal.

Mit dem eingedeutschten Smashing Pumpkins Song Der Mörder In Mir von der aktuellen Winterreise Mini (die komplett gespielt wurde) endete der erste Teil der Vorführung, bevor nach einem Interludium Paulas Spiel folgte, ebenfalls noch unveröffentlicht, wie auch Die Tage Werden Enger. Zwischen dem Rammstein-schen Seemann und Kadaverstern von Heinz Rudolf Kunze  fügte sich Wolken über Orgonon von der Isaak-Maxi, bevor Plainsong vom Cure’schen Meisterwerk Disintegration das Ende des regulären Sets markierte. Verneigend vor PERSEPHONE lobte man Sonja zurück auf die Bühne, um Coming Home und das immer wieder tiefbewegende Saitenspiel anzustimmen, bevor beim Cohen-Song Halleluja, ebenfalls von Winterreise, selbige endete: die Lichter der Burg erschienen, die Pferde dampften, als man den Schnee von den Decken klopfte und sich in die Privatgemächer zurückzog.

(MG)

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