Live Review – Frankfurt 2002 – Winterreise

23 Mrz Live Review – Frankfurt 2002 – Winterreise

Eigentlich ist der Name in Anbetracht der Temperaturen im März nicht mehr so richtig passend, aber diese ungewöhnliche Konzertreise von JANUS und PERSEPHONE war schon lange geplant und ließ sich in dieser Form nur mit etwas Verspätung realisieren. Schließlich sollte alles stimmen, feierliche Locations in stilvoller Burg-Ambiente und die Musik, absolut akustisch und rein, wie frischer Schnee auf treibenden Blütenknospen.Wer JANUS schon einmal live erlebt hat, zuletzt zum Beispiel auf der ZUSAMMENKUNFT im Dezember mit L’AME IMMORTELLE und ASP in der Frankfurter Batschlapp, der weiß welch ein energiegeladenes, schweißtreibendes Ereignis der Auftritt der Hüter der „Schlafenden Hunden“ normalerweise ist.

Aber die Masterminds RIG (Gesang) und Tobias Hahn (Programming) reizte einfach sehr die Herausforderung, wie es denn wäre einige Stücke aus ihrem Programm in völlig anderem Licht und Klang zu präsentieren. So machten sich die beiden auf, die Stücke für Klavier, Geigen, Celli und Schlagwerk umzuschreiben und zusammen mit der L’AME IMMORTELLE-Sängerin Sonja Kraushofer, die ja jüngst ihr Soloprojekt PERSEPHONE, an dem RIG und Tobias ja auch ihre Hände und Köpfe im Spiel hatten veröffentlichte, eine gemeinsame akustische Konzertreise zu unternehmen.

Das Unterfangen stieß auf helle Ohren und auch die GOTHICWORLD kam gerne der Anfrage nach, die „Winterreise“ von JANUS und PERSEPHONE zusammen mit dem ORKUS-Magazin zu präsentieren und waren zum Abschlusskonzert im Frankfurter Ikonen-Museum vor Ort.

So eine Veranstaltung ist natürlich ein krasser Gegensatz zu einem üblichen Livegig in irgendeinem verräuchterten Szeneclub. So begann das Konzert pünktlich zum 20 Uhr, als wir uns noch auf der Parkplatzsuche in der Frankfurter Innenstadt befanden. Somit haben wir die ersten Songs bereits verpasst, als uns die freundliche ältere Dame am Museumsempfang darauf aufmerksam machte, dass wir jetzt da nicht einfach so reinplatzten könnten und vor der Tür auf das Beifallklatschen warten mussten und bei der Gelegenheit den Ort des Geschehen endlich zu betreten.

Als es dann endlich soweit war und wir lautstarkes Klatschen vernahmen und die Tür öffneten war der kleine zwar sehr hohe, aber sehr schmale bestuhlte Saal bis zum letzten Zentimeter gefüllt. Viele hatten schon vor uns keinen Sitzplatz mehr gefunden und auf Grund der verwinkelten Bauweise war zunächst nichtmal ein Blick auf die kleine Bühne zu ergattern.

Aber die Musik war auch im hintersten Winkel allgegenwärtig und so lauschten wir den Rest der Darbietung von Sonja Kraushofer und PERSEPHONE, die schon ihre Zugabe absolvierten.

Als der Beifall hierzu verklungen war, strömte uns ein großer Teil der Besucher entgegen um während der Umbaupause im Innenhof des Museums sich hastig eine Zigarette zu entzünden. Klar, Rauchverbot im Ikonenmuseum und zu Trinken gab es natürlich auch nix.

Also erstmal umgesehen und viele Hände geschüttelt und auch eine geraucht, bevor es schon bald mit JANUS weiterging. Hierzu haben wir uns treppauf in den oberen Bereich der Ikonenausstellung begeben und hatten von hier oben einen schönen Überblick über den langen schmalen Konzertsaal und einen exzellenten Hörgenuss der akustischen Darbietung von JANUS.

Die kleine Bühne wurde zu zwei Drittel von dem schwarzen Flügel eingenommen hinter dem Tobias Hahn seinen Platz eingenommen hatte. Der Rest der Bühne belegte Lothar Weises Schlagwerk, bestehend aus Konzertpauken, Becken und Glockenspielen, so dass RIG sich gerade noch so vorne Platz hatte, das Streichquartett, bestehend aus Jorid Höfner (Violine), Milena Bartsch (Viola), Martin Höfert (Cello) und Natalie Eis (Kontrabass) vor der Bühne platziert werden mussten.

Aber somit waren sich die Künstler und das gebannte Publikum sehr nahe und von der Empore hier oben war zu sehen, wie sehr alle die ergreifende Darbietung in dieser bisher nie gehörten Arrangements genossen haben. Die Akustik des Sales war hervorragend und die Musiker von JANUS waren auch ohne elektronische Klangregulierung eines Toningenieurs sehr harmonisch aufeinander abgestimmt.

Ob es nun die ruhigen dezent nur mit leisen Klavier- und Streicherflüstern begleiteten Parts waren oder die kraftvollen orchestralen Elemente der Stücke waren, RIGs kraftvolle Stimme war immer deutlich zu verstehen, was bei den nachdenklichstimmigen Textgut von JANUS existenziell ist.

Neben vielen bekannten und neuen JANUS-Stücken wie „Lolita“ und das obligatorische „Saitenspiel“ gab es orchestrale Coverversionen von Rammstein bis Leonard Cohen. Und zu guter Letzt kamen wir doch nochmal in den Genuss von LAM-Goldkehlchen Sonja, als sie mit RIG zusammen noch ein paar Duette zum besten gab.

Was soll ich weiter sagen, ein durch und durch ergreifendes, gut zweieinhalb Stunden andauerndes Konzerterlebnis der etwas anderen Art.

Ritchie für Gothicworld

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