Rezension – Auferstehung – Gothicworld

13 Apr Rezension – Auferstehung – Gothicworld

Die Wege des Herrn sind unergründlich. Vier Jahre haben die beiden Teile des Zweigesichtes nun an der Fertigstellung des neuen Albums gebastelt. Wurde der ursprüngliche Veröffentlichungstermin durch die Insolvenz des Vertriebs zunichte gemacht, erscheint es jetzt wie ein göttlicher Fingerzweig. Denn welch passenderen Erscheinungstermin, für ein Album mit dem fast schon prophetischen Titel „Auferstehung“ gibt es denn, als kurz nach Ostern?

Und so erhebt sich am 13.04.04 das neue Album von Tobias Hahn und Dirk Riegert, einem Phönix gleich, aus dem Schatten der Geschichte. Machtvoll, verstörend, mit der poetischen und musikalischen Brutalität eines Faustschlages, dennoch funkelnd und schön. So dass man fast von religiösen Emotionen überwältigt in die Knie gehen möchte. Das Haupt in Demut neigen und einfach nur „Danke“ sagen will. Danke, JANUS! Danke für ein Album, das derzeit seines gleichen sucht und uns schier die Besinnung raubt.

Konzeptionell erscheint sie uns, die Geschichte die nach einem Kafkaesken Prolog sich mit dem von Livegigs schon bekannten „Paulas Spiel“ erhebt. Die Geschichte einer Frau, die an irgendeinem Ereignis in ihrer Vergangenheit und dem Leben im allgemeinen zu zerbrechen scheint.

Wir erleben ihre Zerstörungsfantasien, ihren Selbstbetrug, ihr Zerbrechen, ihren Tod und ihre scheinbare „Auferstehung“. Die textlich aber durch die Zeile „Alles, alles beginnt von vorn“ ab adsurdum geführt wird und einen so zwingt, die gesamte CD noch mal von vorn zu hören. Schier unmöglich sich aus diesem Kreis zu befreien. So schaffen es JANUS einen mit der Musik in genau diesen Teufelskreis zu ziehen den „Paula“ durchlebt und aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint.

Verpackt in alle möglichen musikalischen Elemente die man je gehört hat. Erkennt man an einigen Bläsersätzen eindeutig die Handschrift des (u.a. SOPOR AETERNUS) Produzenten Tobias Hahn, gibt es daneben die harten Gitarrenwände, die einst JANUS als RAMMSTEIN 2 wirken ließen. Doch ist gerade dieser Vergleich nicht nur auf Grund des lyrischen Tiefgangs mehr als nur hinkend.

Bombastische Streicher treffen auf Latinorhythmen, orientalische Percussion auf elektronische Tanzelemente, stille Momente treffen auf Härte, Gefühl auf Intension, Brachialität auf Schönheit. JANUS bewegen sich so spielend zwischen gegensätzlichen Elementen und schaffen mit „Auferstehung“ ein Album das vom ersten Ton an gefangen nimmt. Einen ob der musikalischen Vielfalt und emotionalen Kraft schier in den Sessel drückt. Genügend Melodiebögen aufweist die sich im Kopf festsetzen, gleichsam wieder von Experimenten und Brüchen zerstört werden.

Zwischen sanften, zarten Tönen und knallharten Attacken pendelnd und sich mit RIG stimmlich in einer Vielfalt bewegend, die heutzutage seinesgleichen sucht. An die 40 Musiker und Sänger waren daran beteiligt. Der Aufwand und die Zeit haben sich gelohnt.

JANUS 2004 das ist Kunst, ohne intellektuelle Überfrachtung, die sich durch Vielfalt, Eingängigkeit, vor allem aber durch das Vermitteln von Emotionen auszeichnet.

Ein paar Sätze sollte man noch zu der Limited Edition verlieren. Nicht nur das aufwendige Digipack mit zwei Booklets, Goldprägung verdient hier Beachtung. Mit „Kleine Ängste“ werden sieben Stücke präsentiert, die eher still und leise daher kommen, musikalisch voller Schönheit, durch das gleichnamige Rollenspiel inspiriert, als eventuelle Vorgeschichte zu „Auferstehung“ aber um so düsterer daher kommen.

Böse Texte die sich in feine Melodien einfügen, erzeugen mehr Gänsehaut als Brachialität. Einen Eindruck den JANUS mit dem ebenfalls limitiert erscheinenden Hörbuch „Kleine Ängste“ noch verstärken. Hier spricht Rainhardt Schulat die von RIG verfasste Geschichte um all die kleinen Kinderängste, welche eindeutig in einer Missbrauchsgeschichte begründet liegen. Das ganze verpackt in ein typisches Kinderhörspiel, mit der bekannten Stimme des „Märchenopas“, so also um so grauenvoller und tiefergehender wirkend.

„Auferstehung“ und „Kleine Ängste“ sind eindeutig ein Höhepunkt im musikalischen Erscheinungsbild diesen Jahres, und vor allem ein deutschsprachiges Werk, das wieder einmal beweist, dass man sich in dieser Sprache nicht in Kitschtexten, Plattitüden oder leeren Metaphern verlieren muss wenn man große Kunst schaffen will. Und dass die richtigen Texte, mit der richtigen Musik, mehr und besser Bilder erschaffen können als jedes Buch, jeder Film.

Thomas Sabottka für Gothicworld

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