Live Review – Bochum 2015 – Tombstone

24 Apr Live Review – Bochum 2015 – Tombstone

Am vergangenen Freitag, den 24. April, war an den langen Reihen teils festlich gekleideter Menschen vor der Christuskirche in Bochum zu sehen, dass sich wieder eine besondere Veranstaltung im Gotteshaus ankündigte. Die Band JANUS , bestehend aus Sänger RIG (Dirk Riegert) und Toby (Tobias Hahn) am Klavier, war aus ihrem 9 Jahre andauernden Winterschlaf erwacht und gab sich mit speziell verlesenen Live-Musikern die Ehre. Nach 40-minütiger Verspätung, was zum ein oder anderen sanitären Notfall führte, begann der Einlass und man konnte nach einem gewissenhaften Sicherheitscheck in die heiligen Hallen der Christuskirche vordringen, um sich schon mal einen guten Platz auf den Gebetsbänken zu sichern. Wer ein aufwendiges Bühnenbild erwartete, war mit JANUS wohl nicht so vertraut. Es gab sie pur und ehrlich, ohne Schnickschnack. Das Bühnenbild bestand lediglich aus der Band und ihren Instrumenten selbst, was zugegebenermaßen schon einige waren. Schnell war das Innerste mit JANUS -Fans gefüllt, die nun fieberhaft auf den Beginn des Abends warteten.

Zu dem Stück „Ein sicherer Ort“ ertönte die Kirchenorgel und die Musiker betraten die Bühne. Sänger RIG begrüßte kurz das Publikum und schon sollte es losgehen. Die Zuschauer bekamen 20 Jahre Bandgeschichte zu hören, wobei jedes Lied von Janus seine eigene Geschichte erzählte. Die meisten Stücke waren düsterer oder nachdenklicher Natur. Trotz der fast andächtigen Stille und Ergriffenheit im Saal fanden RIG und Toby immer wieder die Gelegenheit für ausgelassene Scherze: über die Reihenfolge der Lieder, ihr fortgeschrittenes Alter, warum die Tour „Aufstand der alten Männer“ heißt, was eine Alzheimerversion eines Songs ist und ob man, um sie zu spielen, einen Ständer braucht oder nicht.

Die einzelnen Nummern wurden von immer wieder anderen Instrumenten begleitet, so dass die insgesamt fünf zusätzlichen Live-Musiker, u.a. ausgestattet mit: Klarinette, Schlagzeug, Kontrabass, Violine, Klavier, Gitarre, Nyckelharpa und Vibraphon, ordentlich gefordert waren. Ein besonderes Highlight des Abends war der Überraschungsgast Organist Philipp Bang, der die Kirchenorgel in zwei Songs spielte: beim Einzug der Band und bei dem bekannten JANUS -Hit „Ein Hund der sich hinlegt…“. Beim Licht setzten sie lieber auf gekonnten Minimalismus, anstatt auf umfangreiche Effekte und trafen damit genau die vorherrschende Stimmung im Publikum.

Abgesehen von den ausgefeilten Texten und einer tollen Akustik, war das Talent von RIG – zwischen sympathischem Entertainer und deprimierten, zeitweise etwas wahnsinnig anmutenden Sänger hin und her zu springen, einfach grandios. Die Pause war lediglich für die Band gedacht, die Zuschauer bemerkten diese gar nicht, da RIG wie ein Fels in der Brandung durchgehend auf der Bühne stand. Das Versprechen von RIG und Toby, zu spielen bis sie nicht mehr können, nutzte das begeisterte Publikum schamlos aus. Erst nach der vierten Zugabe ließen sie JANUS etwas wehmütig ziehen, nur um sie bereits Minuten später am Merchandise wieder in Beschlag nehmen zu können. Dort versuchten beide Musiker mit sehr viel Geduld und sichtlichem Spaß, ihren Fans die Wünsche zu erfüllen.

Fazit: Wer nicht auf Gute-Laune-Musik steht und es gerne mal nachdenklich mag, war hier genau richtig! Etwas düster, zeitweise fast schon sakral kamen die Geschichten der einzelnen Lieder daher. Der ein oder andere Zuschauer hatte sichtlich mit den Tränen zu kämpfen. Das alles wurde durch die sehr sympathische und lockere Art von RIG und Toby etwas entschärft und von den fantastischen Live-Musikern unterstrichen. Alles in allem ein sehr gelungener und empfehlenswerter Abend.

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