Rezension – Nachtmahr – Oblivion

13 Sep Rezension – Nachtmahr – Oblivion

Gar nicht mal so lange her ist Auferstehung. Für JANUS Verhältnisse zumindest. Vielleicht ging es diesmal etwas schneller, weil RIG und Tobias Hahn nicht wieder vierzig Musikern ihre abgedrehten Ideen erklären mussten. Denn das ist es, was beim ersten Durchhören von Nachtmahr auffällt. Die Reduzierung aufs wesentliche. Nur RIGs Stimme, Streicher, Klarinetten, hin und wieder klassisches Schlagwerk, Perkussion, auch mal eine Gitarre.

Von der reinen Instrumentierung trotz alledem eher verhalten, akzentuiert, nicht den überbordenden Bombast der Auferstehung. Vor allem keine rockenden E-Gitarren, keine brachialen Rhythmusgewitter. Ein Unplugged-Album ist es aber nicht geworden. Keine Angst. Im Gegenteil, trotzdem erzeugen JANUS genügend Kraft und Schwere um den Hörer wieder in den Sessel zu drücken und ihm nachhaltig Alpträume bescheren. Überhaupt ist Angst ein gutes Stichwort. Nur diesmal kommt sie verpackt. In fast wunderschönen, dunklen, klassischen Arrangements, vor allem aber in den leisen, den ganz leisen Tönen, in denen RIG nur noch haucht, die Stimme fast wegbricht.

Die Alpträume, die uns JANUS hier aufzwingen sind keine Fantasiegestalten. Nicht die ach so beliebten Vampire, Werwölfe … NEIN! JANUS zelebrieren die Ängste und Alpträume unserer Zeit. Den Schatten, den der Zweite Weltkrieg bis heute noch auf unsere Gemüter wirft. Dargestellt an Hand des alten russischen Soldaten, der nicht von Stalingrad loskommt, dem Mädchen Anita, das sich mit dem Cellospiel im KZ retten kann, den an Brecht angelehnten Kinderkreuzzug und dem sinnlosen Verteidigen eines Berges mit einer riesigen Kanone in Dorinas Bild.

Dann, fast als eine Art Mittelpunkt des Albums, als eine Art Wendepunkt, vor allem aber auch, weil dieses Stück mit seiner Perkussion und den jazzigen Elementen musikalisch herausfällt, die sehr Interessante Coverversion von Heinz Rudolph Kunzes Kadaverstern. (Hier fragt man sich vor allem warum man von Kunze nur so scheiß Lieder wie Dein ist mein ganzes Herz kennt.)

Dann wandern JANUS in die Alpträume und Ängste der zwischenmenschlichen Beziehungen. Die düsteren Geschichten von Missbrauch, wie auch schon auf dem letzten Album, vor allem aber all die Lügen, Streitereien, Verletzungen, ja Morde, die in Beziehungen fast schon normal sind. JANUS zeigen damit auf, dass sie diese Texte ohne weitere Erklärung an die Kriegsthematik anhängen, dass diese Beziehungskrisen auch nur noch Grabenkriege sind und nicht selten die selbe Metaphorik verwenden.

Unterm Strich ist Nachtmahr schwerer zugänglich als Auferstehung, was anhand des Titels auch nicht besonders verwundern dürfte. Faszinierend allemal. Besonders in den leisen Momenten, sehr ergreifend und besonders unter die Haut gehend. Hier ist der Mut der Macher zu loben mal ein paar Oktaven runter zu schrauben, mal ein paar Instrumente weniger ins Arrangement zu packen.

Grosses Lob zu guter Letzt natürlich an Sänger und Texter RIG. Ebenfalls für den Mut zu den sanften Tönen, vor allem aber für die Texte. Ohne erhobenen Zeigefinger, ohne dass man nur einmal auf die Idee kommt die Augen zu verdrehen und -ach nicht schon wieder- zu denken, wird hier die Kriegsthematik verarbeitet. Ein beeindruckendes, kraftvolles und faszinierendes Werk.

Thomas Sabottka für Oblivion

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