Rezension – Auferstehung – Querblatt

13 Sep Rezension – Auferstehung – Querblatt

Ich kenne Menschen, die bekommen so ein eigenartiges Grinsen, wenn sie das aktuelle Werk ‚Auferstehung‘ von JANUS zu hören bekommen. Nach dem Live-Erlebnis habe ich es auch. Der JANUS-Faktor brennt in meinem Kopf. JANUS bestehen im Kern aus RIG (Ideengeber, Sänger, Texter und Sklaventreiber) und Toby (Der Herr der Maschinen).

Die Musik von JANUS zu beschreiben, ist nicht ganz so einfach. Sie pendeln zwischen so vielen Stühlen, da die einzige Schublade die mir dazu einfällt, JANUS heißt. Mal ruhig, mal wütend, dann rockig und mal fast bombastisch. ‚Auferstehung‘ beginnt im Intro ‚Wenn Du Mich ansiehst‘ mit einem Zitat von Kafka, und gibt einen kleinen Vorgeschmack, was den Zuhörer die nächsten 50 Minuten erwartet. Um dies zu unterstreichen legt ‚Paulas Spiel‘ gleich nach. Der melancholischen  Strophe, folgt als Gegenpart der wütend laute Refrain, der mich an die nächst gelegene Wand schmeißt.

So emotional zerrissen legt ‚Ich Will Seinen Kopf‘ noch eins drauf. Den aggressiven Ausbrüchen folgt ein melodischer Part, der mit Frauengesang gekonnt unterstützt wird. Erst in ‚Scherbengesicht‘ wird diese Fahrt etwas ausgeglichener, aber auf keinen Fall langweilig. Hier werden auch zwei Dinge deutlich. RIGs tiefer, warmer Gesang, und die Erkenntnis, das es sich bei ‚Auferstehung‘ um ein Konzept handelt. (Wie übrigens auch bei der Vorgängerscheibe ‚Vater‘).

Das Konzept setzt sich fort. Paulas kleine Welt, mit ihren Problemen und Träumen, Sehnsüchten und Schmerzen, und ‚Die Tage werden enger‘. Im musikalisch ruhigem Gewand, welches sich zeitlich in Frustration aufbäumt. Mit sanften Piano begleitet beginnt ‚Neunundachtzig‘. Und wie bei fast allen Stücken, bleibt die Schüttelreim-Texterei aus. Dafür bleibt der Verstand beim wesentlichen, dem Text. Herrlich traurig.

Gekonnt platziert reißt ‚Überleben‘ aus der Melancholie, um in ‚Du Siehst Aus Wie Immer‘ wieder dorthin zurückzukehren. Der Titelsong ‚Auferstehung‘ beginnt sanft bis leicht bluseig, wird aber steigernd mit Gitarren versehen. RIGs Stimmen passt sich diesem an, bis zur kontrollierter Wut. Parallel dazu ein Frauenchor im Hintergrund, der zu Schmeicheln versucht. Für fast 10 Minuten ein erstaunlich kurzer Song.

Eine Art Akustik-Version von ‚Paulas Spiel‘ schließt das Album mit ‚Paulas Traum‘. Statt Gitarren agieren Streichinstrumente und Blechbläser, und wirkt damit etwas kuscheliger als sein Pedant. JANUS schaffen es wie selten eine andere Band den Text (Kopf) mit der Musik (Bauch) zu vereinen. Wenn du das Gefühl hast, mit den Kopf durch die Wand zu wollen, wird es dein Nachbar nicht hören, weil JANUS musikalisch schon genug Lärm erzeugt. Doch liegst du jammernd auf den Boden, ist es so still, damit du dein eigenes Winseln hörst.

In ‚Auferstehung‘ sehe ich die Welt um mich herum, sehe meine Welt. Sehe ich Menschen die ich kenne und sehe mich selbst. Das ist kein Lärm um die Stille zu töten, aber man sollte es sich schon laut genug anhören.

Lutz Hössner

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