Tourtagebuch – Castle Rock – 02.07.2016

09 Jul Tourtagebuch – Castle Rock – 02.07.2016

RIG_Head

Der einzige Auftritt 2016 war die Rückkehr an eine alte Wirkungsstätte: das ebenso familiäre wie behagliche Castle Rock Festival auf Schloss Broich in Mülheim an der Ruhr. Organisiert wie schon vor elf Jahren vom unverwüstlichen Michael Bohnes. Unser letztes Gastspiel war 2005 aber als wir nach und nach am Ort des Geschehens eintrafen, fühlte es sich wie eine Heimkehr an, so vertraut waren die Abläufe und Örtlichkeiten. Auch das ein oder andere Gesicht im Team vor und hinter der Bühne kam uns noch bekannt vor.

Die einzig spürbare Veränderung war eine positive, denn die Backstage-Räumlichkeiten und das Catering präsentierten sich im Vergleich zu 2005 und 2001 deutlich verbessert. Band und Helfer trudelten nach und nach ein, so dass wir in aller Seelenruhe hinter der Bühne aufbauen und uns auf den Auftritt vorbereiten sowie den Merchandising-Stand in Betrieb nehmen konnten. Vor der Bühne und beim Durchstreifen der Menge erblickten wir einige bekannte Gesichter von Unverbesserlichen, die teilweise weder Kosten noch Mühen gescheut hatten, uns bei unserem einzigen Live Auftritt 2016 zu begleiten.

Während die Band auf der Bühne ihren Line-Check absolvierte und Toby bei einem Gläschen Rotwein seine Vorliebe für Karel Gott und Queen offenbarte, versuchte ich auf den letzten Drücker den Text von „Kleine Ängste“, das wir kurzfristig ins Programm genommen hatten, in meinen Schädel zu bekommen. Pünktlich wie die Maurer enterten wir gegen 17:30 die Bühne um eine knappe Stunde JANUS aufs Party-Volk loszulassen.

Persönlich fällt es mir bei Festivalauftritten immer schwer, mich in den nötigen Geisteszustand für einen überzeugenden Auftritt zu versetzen, da unsere Musik sehr speziell ist und ich mich ebenfalls in einer besonderen Stimmung befinden muss. Die Band lieferte eine sehr stabile Vorstellung ab, aber leider hatten wir auf der Bühne Probleme mit dem Monitorsound, so dass einige Feinheiten der Arrangements im Festivalrauschen untergingen. Insbesondere meinen Gesang konnte ich nur undeutlich vernehmen, so dass ich mir wider besseren Wissens direkt mit den ersten zwei Liedern die Stimme zerschoss, da ich versuchte das Manko durch lauteres Schreien und Singen auszugleichen. Den Rest des Auftritts war ich dann damit beschäftigt, die Kontrolle über meine Stimme wiederzuerlangen, was erst am Ende des Sets bei „Schwarzer Witwer“ gelang, das gleichzeitig den Höhepunkt des ca. 55 min. Sets markierte.

Von der Bühne aus war es witzig, die Publikumsreaktionen zu beobachten. Während im vorderen Teil des Schlosshofes JANUS-Jünger abfeierten und in der Musik schwelgten, um JANUS am Ende mit lautstarken Zugaberufen zu ehren, verlief sich im hinteren Schlosshof der ratlose Teil jüngerer Musikfreunde, dem die seltsame Darbietung auf der Bühne bestenfalls ein Rätsel, schlimmstenfalls eine Zumutung war. Mit voranschreitender Dauer des Auftritts wurde der aufklaffende Graben zwischen beiden Gruppen immer größer und so enttäuscht die einen waren, dass keine Zugabe gespielt werden konnte, so erleichtert waren die anderen, dass mit den nächsten Gruppen endlich wieder Musik dargeboten wurde, die der Erwartungshaltung entsprach.

Toby und ich begaben uns dann noch an den Merchandising-Stand, um ein wenig zu Plaudern und Fotos zu machen mit denen, die von weither angereist waren. Nach einer weiteren Stunde packten wir schließlich zusammen, war es doch auch der Tag des Viertelfinales zwischen Deutschland und Italien, aber das ist eine andere Geschichte.

Die Geschichte von JANUS auf dem Castle Rock Festival 2016 endet jedenfalls mit der Erkenntnis, dass die Zeiten innerhalb der Subkultur, deren Bestandteil wir schon vor 15 Jahren nur widerstrebend waren, sich noch einmal stark geändert haben. Man kann das bedauern, man muss es aber nicht. Vielleicht sind wir auch einfach nur alt geworden. Jedenfalls bleibt am Ende Tobys Erkenntnis: „Ich glaube, die Zeit in der JANUS auf normalen Festivals einen normalen Auftritt gespielt haben, sind endgültig vorbei. Das gibt weder den Leuten auf noch vor der Bühne etwas.“ Amen.

Zum Glück steht 2017 die Herbstreise an.

Tags:
3 Kommentare
  • Sascha
    Veröffentlicht um 22:55h, 09 Juli Antworten

    Für den „Schwarzen Witwer“ am Schluss bin ich sehr dankbar; ist es doch in langer Zeit das erste mal dass er in nahezu ganzer Schönheit dargeboten wurde, nicht nur im Medley,

    Die Fotografen in den vordersten Reihen sind zum Teil erschrocken zusammengezuckt als RIG dann endlich auf die Bühne trat und von den Jüngern mit lautem Jubel empfangen wurde.

    Ich gehöre definitiv zu jenen, die einzig wegen JANUS dort waren, und wie nicht anders zu erwarten, hat es sich auch dieses mal vollumfänglich gelohnt.

    Wir sehen uns nächstes Jahr in Leipzig und Mannheim …

  • Markus Wagner
    Veröffentlicht um 11:09h, 13 Oktober Antworten

    Meine Frau und ich waren eigentlich auch nur wegen Janus auf den Castle Rock. Natürlich schon ein wenig irre extra wegen einer Stunde Janus aus dem Frankenland anzureisen aber es hat sich wie immer herausgestellt, daß es das einfach Wert ist. Musikalisch betrachtet waren die vorher auftretenden Bands ein Witz…und leider nicht mal ein guter. Natürlich sehen das geneigtere Zuseher anders, darum ist das meine persönliche Meinung. Festivals sind eh nicht mein Ding. Nach Janus sind dann „meine Leute“ auch wieder vom Festival- Gelände verschwunden. Intolerant? Möglich. Aber wer sollte nach Janus das Niveau noch toppen? Eben. Ihr wart, trotz der erwähnten widrigkeiten auf der Bühne, einfach toll. Gänsehaut und Gefühlschaos immer im Gepäck. Meine Frau und ich werden euch jedenfalls auch weiter stalken…;-)

    • RIG
      Veröffentlicht um 13:01h, 15 Oktober Antworten

      Gegen diese Art von „Stalking“ haben wir auch rein gar nichts einzuwenden!

Einen Kommentar schreiben