Rezension – Schlafende Hunde – Tranceform

13 Sep Rezension – Schlafende Hunde – Tranceform

Erinnern wir uns an Vater, jenen Longplayerepos um die männliche Erzeugerfigur in all ihren Abgründen. Erinnern wir uns an „Isaak“, jenem Song, der die umstrittene Geschichte aus dem alten Testament mal aus der Sicht des Sohnes erzählt…

War das viel zu wenig beachtete Debüt des Duos schon eine Offenbarung für die vor sich hin kränkelnde Kopistenszene, ist der Nachfolger „Schlafende Hunde“ eine zwar nicht logische, aber dennoch mehr als würdige Fortsetzung.

JANUS sind nun noch weniger Kompromisse eingegangen. Die Kompatiblität mit Trends, Tanzfluren und Konsumenten ist nun überhaupt nicht mehr gegeben und das Konzept ist enger gestrickt worden. So kompromisslos hier den eigenen Vorstellungen gehuldigt wurde, so extrem ist auch der Inhalt dieser Scheibe.

Erzählt wird hier die Geschichte eines Psychopaten (sehr effektvoll wieder in der Ich- Perspektive), genauer gesagt, die Geschichte einer sehr verhängnisvollen Dreierkonstellation zwischen zwei Brüdern und einem Callgirl. Da der Handlungsverlauf von Rückblenden unterbrochen wird, wächst die Story mit jedem Durchlauf der Scheibe. Immer mehr Details werden sichtbar, immer mehr Interpretationen werden möglich.

Dabei entsteht eine ultradüstere Atmosphäre, die sich eben nicht dazu eignet, ergriffen in (Selbst)Mitleid abzutauchen. Mr. Drown weckt keine Sympathien und deshalb macht sich Unbehagen breit…. Die perfekt dazu inszenierte Musik lässt sich nicht beschreiben. Gitarrenwände treffen auf die JANUS- typischen Drumloops und klassisch inspirierten Keyboardflächen.

Es ist, im Vergleich zu „Vater“, vielleicht ein bisschen Pink Floyd dazu gekommen, denn einige Parts unterstellen, dass die Urheber zumindest „The Wall“ daheim rumstehen haben. Ein weitergehender Vergleich mit den Rockopern des Roger Waters ist hierbei sicherlich auch nicht übertrieben.

Unter den zahlreichen musikalischen Gästen weilte auch wieder Patricia Schwan, die auch schon auf dem Debüt für die weiblichen Gesangsparts verantwortlich war. Ihr Solopart ist eine fast schon kitschig schöne Ballade, die den untypischsten Song auf der Platte darstellt…. Den Gegensatz dazu liefern eher straighte Agro- Stücke a la „Mein krankes Herz“ oder 7- 8 Minuten- Orgien um Mord und Totschlag, wie das finale „Klotz am Bein.“

JANUS sind also zurück- unbequem, schwarz, zynisch, sarkastisch, bösartig, abgründig, phantasievoll, lyrisch und prosaisch – wie relevante Musikstücke eben sein sollen. Ein Muss – für alle Liebhaber blutiger Tragödien, für alle Menschen, die wissen, dass wahre Kunst beißen muss und für alle, die der schwarzen Szene schon immer ein intellektuelles Gewissen gewünscht haben, also für alles, was aufrecht geht und aufrecht denkt, oder?

Thomas Manegold

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