Wehrlos

21 Jun Wehrlos

„Wir küssen und küssen uns
es fällt nicht schwer
so als wär der
letzte Kuss
nicht lang her
doch es sind neun Jahre“

RIG erzählt:

Die meisten JANUS Lieder haben keinen einfachen persönlichen Bezug, sie sind eher als eigenständige Schöpfungen auf Basis von Geschichten, Gedankenspielen und Erfahrungen zu verstehen. Einige wenige Lieder aber sind sehr persönlich. „Wehrlos“ ist so ein Stück. Die Melodie und den Text trug ich bereits eine ganze Weile mit mir herum, bevor Toby und ich daraus ein JANUS-Lied machten. Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte „Wehrlos“ beim Aufstand alter Männer, es gab aber schon eine nie veröffentlichte Studioaufnahme der Komposition, die wir im Zuge des Studioaufenthalts zu „Mit leeren Händen“ erstellt hatten. Mit dieser Version waren wir aber aus verschiedenen Gründen nie restlos zufrieden, so dass sie nie veröffentlicht wurde. Ich hatte mich gedanklich schon lange damit abgefunden, dass die Liveversion die einzig offizielle bleiben würde, als wir uns wie aus dem Nichts in die Arbeit an „Ein schwacher Trost“ stürzten. Schnell war klar, dass wir auch eine ganz spezielle Fassung dieses Liedes mit auf die CD packen wollten, da es sowohl von seiner Komposition wie auch von der Instrumentierung mit Bandoneon her, perfekt zum Hafenambiente des Textes passen würde. Und so kommt auch dieses JANUS-untypische, weil hoffnungsvolle Lied zu echten Studio-CD-Ehren, was es sich redlich verdient hat. Im Übrigen die einzige Überarbeitung eines existieren Stückes auf „Ein schwacher Trost“, alle anderen Kompositionen sind neu.“

Toby erzählt:

Für Seemannsgeschichten kann ich mich immer begeistern, da ich selbst leidenschaftlicher Segler bin. Also setzten wir uns gleich ans Klavier, als RIG, wild mit dem Textblatt wedelnd zu mir kam und die erste Zeile „Wir gehen nachts durch den Hafen“ intonierte. Er hatte bereits eine Idee für die Gesangsmelodie, was die Entstehung nicht der Lieder nicht unbedingt leichter macht. In solchen Fällen singt er dann seine Idee mit abenteuerlicher Intonation und größtmöglicher Schnodderigkeit vor während ich verzweifelt versuche, das fortdauernde Gebrummel irgendwie in gängigeTakte und Tonarten zu übersetzen. Dabei kommen oft verschrobene Sachen dabei heraus, wie etwa der eingeschobene 2/4 Takt in der Strophe von „Wehrlos“. In der Regel brauchen wir ein paar Anläufe, bis RIG irgendwann stirnrunzelnd sagt: „Eigentlich hatte ich etwas anderes im Kopf, aber das ist auch nicht schlecht.“ Mehr Begeisterung ist in solchen Situationen nicht zu erwarten, aber ich bin Leid ja gewohnt. Besonders gut gefällt mir der Bruch in der Mitte des Stückes. Die Phrase mit den 8-tel Triolen („doch es sind neun Jahre“) hat mich allerdings bei den Klavieraufnahmen an den Rand eines Nervenzusammenbruchs gebracht. Als einige Wochen später bei den Orchesteraufnahmen die Profis an der gleichen Stelle ebenfalls einige Anläufe brauchten, war mein Selbstbewusstsein aber wieder hergestellt. Spannend war für mich, zu beobachten, wie Tilman an das Arrangement heran ging. Da wir selbst ja schon einmal eine Version von dem Stück für „Ein Aufstand alter Männer“ aufgenommen hatten, war ich auf seine Vorschläge besonders gespannt. Bezeichnenderweise hat er dem Arrangement weniger Dinge hinzugefügt, als bereits vorhandene Phrasen der Komposition herausgearbeitet und neu betont. Das fällt besonders bei den instrumentalen Zwischenteilen auf, die in der jetzigen Version noch mehr auf den Punkt arrangiert sind.

Fotos: Oliver Haas

1Kommentar
  • Dominik
    Veröffentlicht um 17:48h, 17 August Antworten

    Seit der Alzheimer Version und dem Konzert in Bochum warte und freue ich mich riesig darauf

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